Spielen, Freizeit und soziale Teilhabe

Nach Artikel 31 der VN-Kinderrechtskonvention gilt: „Die Vertragsstaaten erkennen das Recht des Kindes auf Ruhe und Freizeit an, auf Spiel und altersgemäße aktive Erholung sowie auf freie Teilnahme am kulturellen und künstlerischen Leben.“ Dieses Recht ist zentral für ein gesundes Aufwachsen und für die körperliche, seelische und geistige Entwicklung von jungen Menschen. Sie brauchen Zeit und Raum zu spielen, sich mit ihren Freund*innen auf Spielplätzen oder im Skatepark zu treffen, sich auszuprobieren, ihre Identität zu entwickeln und sich als Teil der Gesellschaft zu erleben. Beziehungen zur ‚peer-group‘ spielen eine fundamentale Rolle, sie werden erlebt in Sport- oder Musikvereinen, in Angeboten der Kinder- und Jugendhilfe, wie Jugendtreffs, um nur einige Orte zu nennen. Hier finden non-formale und informelle Bildungs- und Sozialisationsprozesse statt, die die jungen Menschen in ihrer Persönlichkeitsentwicklung stärken und maßgeblich für ihre Teilhabechancen sind.

Kinder brauchen auch außerhalb ihrer Familie Vertrauenspersonen

Seit Mitte März sind viele Bereiche des gesellschaftlichen Lebens in Baden-Württemberg gänzlich zum Erliegen gekommen oder haben sich grundlegend verändert. Davon sind Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene stark betroffen: seit 17. März waren Schulen, Kitas und Jugendhäuser geschlossen, Spiel- und Sportstätten konnten nicht besucht werden. Kontakte im öffentlichen Raum waren massiv beschränkt, so konnten junge Menschen nicht im gewohnten Maße mit ihrer peer-group in persönlichem Kontakt sein, Angebote der Kinder- und Jugendhilfe oder Sport- und Musikvereine nutzen. Nur Telefonieren oder Schreiben über soziale Medien reicht als Kontakt nicht aus.

Dies trifft Kinder aus sozial benachteiligten Familien besonders heftig, die in der Corona-Krise zusätzlich zu den bestehenden Benachteiligungen weitere Belastungen erleben, die einen guten gemeinsamen Alltag erschweren. Die räumliche Enge in oft zu kleinen Wohnungen, wenige Rückzugs- und Ausweichmöglichkeiten sowie familiäre Konflikte im Spagat zwischen Homeoffice, Homeschooling oder Kinderbetreuung beeinträchtigten das Zusammenleben. Gerade in solch einer Situation kann es vermehrt und unentdeckt zu Gefährdungen des Kindeswohls kommen. Kinder haben hier wenig Raum zum Spielen und Kind sein, ihre Freund*innen und Freizeitangebote fehlen. Gerade für Jugendliche in der Pubertät spitzt sich die Lage zu. Auch sozial benachteiligte Kinder brauchen außerhalb ihrer Familie Vertrauenspersonen und unterstützende Beziehungen für ihre Entwicklung, wie die zur peer-group – umso dringender in der derzeitigen familiären Überforderungssituation.

Aufatmen: wieder auf dem Spielplatz spielen

Es ist wichtig, dass bei den in der Corona-Pandemie getroffenen Maßnahmen und etwaigen Lockerungen, neben Aspekten des Gesundheits- und Infektionsschutz, die Rechte von jungen Menschen, wie auf Freizeit, stärker in den Fokus rücken. Welch Aufatmen für Kinder, seit letzter Woche wieder auf dem Spielplatz spielen zu können, auch die schritt- und stufenweise Öffnung von Kitas und Schulen ist wichtig, auch im Hinblick auf Beziehungen zu und Unterstützung durch Gleichaltrige.

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