Wie blicken junge Menschen auf die derzeitige Corona-Pandemie und ihre eigene Situation?

In Baden-Württemberg leben gut 3 Mio. junge Menschen (unter 27 Jahren), das sind fast 27,7% aller Baden-Württemberger . Ein gewichtiger Anteil der Gesellschaft. In der Corona-Krise hat sich jedoch wieder einmal gezeigt, wie wenig die Perspektiven, Belange und Bedürfnisse junger Menschen im gesellschaftspolitischen Kurs Gehör und Berücksichtigung finden.

Schon Johann Wolfgang von Goethe schrieb: Das Schicksal jedes Volkes und jeder Zeit hängt von den Menschen unter 25 Jahren ab. Wir alle sind dazu angehalten, nicht nur für die kommenden Generationen im Sinne der Nachhaltigkeit zu handeln, sondern junge Menschen auch hier und heute als Teil unserer Gesellschaft und Bereicherung für gesellschaftspolitische Diskussionen und Ergebnisse anzusehen. Ein erster Schritt junge Menschen ernst zu nehmen: ihnen zuzuhören.

Es haben in der Zeit des Lock-Downs verschiedenen Befragungen von jungen Menschen und ihren Familien einen Einblick in ihre Situation und auf ihre Sicht der Corona-Pandemie gegeben. Prominent hat der Forschungsverbund „Kindheit – Jugend – Familie in der Corona-Zeit“ die bundesweiten Studien 1. JuCo zu den Erfahrungen und Perspektiven von jungen Menschen und 2. KiCo zu den Erfahrungen und Perspektiven von Eltern und ihren Kindern während der Corona-Maßnahmen durchgeführt. In der JuCo-Studie zeigt sich ein eindeutiges Ergebnis: junge Menschen fühlen sich vor allem auf ihre Bildungsrolle reduziert: als Schüler*innen, Student*innen, Azubis, … die Komplexität ihrer Lebenswelten und die unterschiedlichen Bedürfnisse und Interessenslagen kommen dabei zu kurz. In der Zeit des Lock-Downs waren die Einschnitte in den sozialen Kontakten zu Freund*innen, in Sport- und Musikvereinen etc. besonders heftig, nur über digitale Wege Kontakt zu halten reicht nicht. Klar formulieren junge Menschen auch, dass sie Sorgen und Verunsicherungen spüren, gerade in den Übergängen, und sie wollen mehr gehört werden! Die Studie unterstreicht aber: junge Menschen sind keine einheitliche Gruppe – es gilt, die unterschiedlichen Situationen und spezifischen Lebenslagen, z.B. von jungen Menschen mit Fluchterfahrung, zu berücksichtigen. Auch in der KiCo-Studie zeigt sich zwar ein gemeinsames Erleben von Familien, aber zudem zwei deutliche Pole: diejenigen, die entlastende und entschleunigende Aspekte des Lock-Downs als Anregung und Inspiration nehmen; andere, die aufgrund der Vielzahl von Belastungen und Herausforderungen „kein Licht am Ende des Tunnels“ sehen – gerade bei sozial benachteiligten Familien wirkte sich der Einbruch der funktionierenden Infrastruktur von Bildungsinstitutionen und Kinder- und Jugendhilfe noch stärker aus.

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die seelische Gesundheit von Kindern und ihren Familien stellt eine Studie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf heraus: fast 70%  der befragten jungen Menschen fühlen sich seelisch belastet. Genannt wurden Einschlafprobleme, Streit, ungesundes Ernährungsverhalten, weniger Sport und mehr Medienkonsum – vor allem junge Menschen aus sozial benachteiligten Familien sind betroffen.

Die Studie „Kind sein in Zeiten von Corona“ des Deutschen Jugendinstituts unterstreicht dies: „Zudem schätzen Eltern mit einer angespannten finanziellen Situation die Belastung für ihre Kinder deutlich höher ein als diejenigen, die ihre finanzielle Lage positiver beurteilen“.  

Ein tolles Beispiel für Befragungen junger Menschen kommt auch aus unserem Netzwerk. Die Kinderstiftungen Ravensburg, Bodensee und Kinderchancen Allgäu hat sie gefragt, wie sich ihr Alltag zu Corona-Zeiten gestaltet. Erste Rückmeldungen zu „Meine Meinung. Kinder-und Jugendstimmen zum Corona-Alltag“ finden sich hier: http://www.kinderstiftung-ravensburg.de/was-wir-tun/kinderpartizipation-wuerttemberg/meine-meinung/meine-meinung

Ein Ansatz, die Rechte von Kindern, gerade auch in Krisenzeiten, zu stärken, ist die explizite Verankerung von Kinderrechten im Deutschen Grundgesetz: https://www.institut-fuer-menschenrechte.de/aktuell/news/meldung/article/pressemitteilung-zur-corona-pandemie-kinder-muessen-bei-der-entwicklung-staatlicher-massnahmen-gehoert/.

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