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Ungleichheit trotz Reichtum! – Politik im Gespräch II

FamilienarMUT – KinderarMUT – auch in Baden-Württemberg

Anlässlich der Landtagswahlen im März 2021 haben wir im Rahmen einer digitalen Veranstaltung am 11.02.2021 gemeinsam mit rund 300 Teilnehmenden mit Politiker*innen diskutiert. Wie sieht eine Gesellschaft aus, in der alle Kinder und Jugendlichen die gleichen Chancen haben? Welche Handlungsansätze und Strategie braucht es im Land insbesondere im Bildungsbereich dazu? Welche bildungsbezogenen Maßnahmen müssen wir in der kommenden Legislaturperiode und darüber hinaus umsetzen, um die Kinderarmut nachhaltig/effektiv zu überwinden?
Nun haben wir mit einem Folgeformat auf die Ergebnisse der Veranstaltung aufgebaut und sind ins konkrete Arbeiten kommen.

Zur Dokumentation

Die Veranstaltung

Teilhabe, Chancengleichheit und soziale Perspektive sind wichtige Faktoren für eine demokratische Gesellschaft. Insbesondere für Kinder, junge Menschen und ihre Familien, die aufgrund von Benachteiligungslagen immer noch zu wenig Gehör finden. Die Zahl der von Armutslagen betroffenen Familien und ihre Kinder stagniert seit Jahren auf hohem Niveau auch im reichen Bundesland Baden-Württemberg.
Gemeinsam haben wir mit dieser digitalen Veranstaltung die Zusammenhänge von Ungleichheit und Reichtum diskutiert und partizipativ überlegt, wie Politik und Zivilgesellschaft ihre Kräfte bündeln und Familien sowie junge Menschen landesweit wirksam unterstützen können damit Armut perspektivisch „verringert“ werden kann und mehr Chancengerechtigkeit hergestellt wird.

Unser Programm

12.45 Uhr – Öffnung des Veranstaltungsraums und technische Einführung

13.15 Uhr – Vortrag „Kinder der Ungleichheit“ (Prof. Dr. Christoph Butterwegge)

14.15 Uhr – Vortrag „Im Fokus: Kinder- und Familienarmut in Baden-Württemberg“ (Dr. Stephanie Saleth)

15.30 Uhr – Workshops

17.15 Uhr – Dialogforum mit der Landespolitik Baden-Württemberg

17.30 Uhr – Grußwort des Ministeriums für Soziales, Gesundheit und Integration Baden-Württemberg

18.00 Uhr – Diskussion und Dialog mit den Vertretungen der Landespolitik

19.00 Uhr – Ergebnissicherung in Absprache mit den Landtagsabgeordneten und gemeinsame Verabredung zur Weiterarbeit

Informationen zu den Vorträgen und Workshops

Kinder der Ungleichheit

Wie sich die Gesellschaft ihrer Zukunft beraubt
Prof. Dr. Christoph Butterwegge (Armutsforscher, Uni Köln)

Wie nie zuvor ist die junge Generation heute sozial tief zerrissen: Hinsichtlich von Gesundheit, Bildung, Wohnen, Freizeit und Teilhabe verschärfen sich die Unterschiede. Während Kinder aus wohlhabenden, reichen und hyperreichen Familien materielle Sicherheit genießen und eine Führungsposition in der globalisierten Wirtschaftswelt erreichen können, bleiben diese Chancen den Gleichaltrigen aus sozial benachteiligten Familien versagt.

Der Kölner Ungleichheitsforscher Prof. Dr. Christoph Butterwegge hat zusammen mit seiner Frau Carolin das Buch „Kinder der Ungleichheit. Wie sich die Gesellschaft ihrer Zukunft beraubt“ geschrieben, dessen Kerninhalte er vorstellt und über die er mit den Anwesenden diskutiert.

Im Fokus: Kinder- und Familienarmut in Baden-Württemberg

Aktuelle Ergebnisse der Armutsberichterstattung Baden-Württemberg
Dr. Stephanie Saleth, Leiterin der FamilienForschung Baden-Württemberg im Statistischen Landesamt

Im Vortrag werden Ergebnisse der landesweiten Armutsberichterstattung vorgestellt. Dabei richtet sich der Blick sowohl auf den Umfang und die Verteilung von Armutsrisiken in Baden-Württemberg als auch auf strukturelle Ursachen von Kinderarmut. Darüber hinaus werden Ansatzpunkte einer nachhaltigen Armutsbekämpfung und Prävention aufgezeigt.

Wie können Teilhabechancen von Kindern verbessert werden? Wie gelingt es, die Infrastruktur vor Ort so weiterzuentwickeln, dass sie armutspräventiv wirkt?

Workshop 1 – Junge Menschen in Bildungsübergängen

MACH DICH STARK – Die Initiative für Kinder im Südwesten

In dem Workshop beleuchten wir das Thema Übergänge im Bildungsverlauf junger Menschen aus Armutslagen. Übergänge zwischen den einzelnen Bildungsinstitutionen und -systemen führen bei armutsbetroffenen jungen Menschen deutlich häufiger zu Brüchen im Bildungsverlauf. Dies hat Auswirkungen auf die persönlichen Entwicklungschancen der Betroffenen. Die Landesregierung hat das in ihrem Koalitionsvertrags mit verschiedenen Vorschlägen und Zielen aufgegriffen, um von Armut betroffene Kinder und Jugendliche in Übergangssituationen zu stärken.

Diese Vorschläge möchten wir in unserem Workshop mit Ihrer Expertise auf den Prüfstand stellen. Sind die Maßnahmen und Ziele der Landesregierung geeignet? Wo gehen sie noch nicht weit genug und was ist darüber hinaus erforderlich, um gelingende Übergänge zu garantieren? Wir laden die Workshop-Teilnehmenden zu einem methodisch geleiteten Austausch ein. Die Ergebnisse werden in der Podiumsdiskussion und als Impuls in die Landespolitik eingebracht.

Referent: Simon Näckel – MACH DICH STARK – Die Initiative für Kinder im Südwesten
Moderation: Kim Hartmann – MACH DICH STARK – Die Initiative für Kinder im Südwesten

Workshop 2 – Präventionsnetzwerke gegen Kinderarmut in Baden-Württemberg

Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration Baden-Württemberg und FamilienForschung Baden-Württemberg

Das Land Baden-Württemberg verfolgt seit ungefähr zehn Jahren den Ansatz der Präventionsnetzwerke gegen Kinderarmut. Im Rahmen der zweijährigen Strategie „Starke Kinder – chancenreich“ 2020/21 konnte der Ansatz stärker konzeptionell fundiert werden und wird derzeit an 26 Standorten im Land erprobt. Ziel des Landes ist es, bis 2030 in allen Stadt- und Landkreisen ein Präventionsnetzwerk gegen Kinderarmut zu etablieren. Dazu stellt das Land jährlich Fördermittel für Kommunen und gemeinnützige Organisationen zur Verfügung.

In diesem Workshop soll der Ansatz der „Präventionsnetzwerke gegen Kinderarmut in Baden-Württemberg“ sowohl konzeptionell als auch anhand von Praxisbeispielen mit Kurzfilmen vorgestellt werden.

Referentin: Heike Lipinski, FamilienForschung Baden-Württemberg im Statistischen Landesamt
Moderation: Dr. Michael Wolff, Referent für Armut und soziale Teilhabe im Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration Baden-Württemberg

Workshop 3 – Prekarität ist überall! Ein Kennzeichen des 21. Jahrhunderts – auch in BaWü!

Landesarmutskonferenz BW

Der Workshop greift auf, was unsere Zukunft kennzeichnet: Prekarität ist überall! Wir versuchen zunächst zu definieren, was Prekarität ist, dann versuchen wir die Gruppen zu identifizieren, die dem prekären Lager angehören. Was ist ihnen gemeinsam, was trennt sie? Warum finden sie zum einen in der Diskussion ihren Platz, zum anderen werden sie in ihrer Existenz/Betroffenheit unzureichend beschrieben oder gar übersehen. Gehören sie zu den Verlierern in dieser Leistungsgesellschaft, können sie sich möglicherweise organisieren und gemeinsame Interessen vertreten? Gibt es Gemeinsamkeiten der Prekären, der Ausgegrenzten, der .berflüssigen? Wo haben sie ihren gesellschaftlichen Platz, wo ihren Raum, welche kulturellen und sozialen Rollen könnten sie übernehmen? Gäbe es Förderung dafür?

Wer Lust hat, diesen Fragen nachzugehen, der ist eingeladen zu kommen.

Leitung: Roland Saurer, Sprecher der Landesarmutskonferenz BW
Moderation: Dr. Michael Lesky Volkshochschulverband BW

Workshop 4 – Armutsfaktor Migrationshintergrund

Elternbildung als Gelingensfaktor gegen die Reproduktion von Armut in Familien mit Migrationshintergrund
Der PARITÄTISCHE Landesverband Baden-Württemberg e. V.

Zahlreiche Untersuchungen zeigen, dass die Bildungschancen von Kindern in unmittelbarem Zusammenhang mit dem sozialen Status der Eltern stehen. Hierbei sind die ursächlichen Faktoren für Armut ebenso heterogen wie die Lebensentwürfe in den Familien. Neu zugezogene Familien, die unser Bildungssystem und somit auch ihre Rechte und Pflichten als Eltern nicht kennen, können ihre Kinder nicht unterstützen. Unumstritten ist jedoch, dass gute Bildungsverläufe eine Armutsgefährdung verringern und zu einer besseren Bildungs- und Chancengerechtigkeit führen können. Wie kann kultursensible und hürdenfreie Familienbildung erfolgreich dazu beitragen, damit Bildungsträume wahr werden und Benachteiligungen sich nicht über Generationen verfestigen?

Referentin: Feray Sahin, Der PARITÄTISCHE Landesverband Baden-Württemberg e. V.
Gast: Svenja Hasenberg, Gesch.ftsführerin der Elternstiftung Baden-Württemberg mit dem Projekt „frEi“ – Frühe Einbindung

Workshop 5 – Familienförderung als ganzheitliche Armutsprävention?

Landesfamilienrat BW, Netzwerk Familienbildung BW

Armut von Kindern ist immer auch Familienarmut. Auch in Baden-Württemberg fehlt hier eine Systematisierung und Verbindlichkeit von finanziellen Leistungen und Infrastrukturangeboten. Daher ist eine Familienförderstrategie verbunden mit einem langfristigen vernetzten Plan zu einer wirksamen Gesamtstrategie und Familienfördergesetz die wirkungsvollste Armutsprävention. Wie kann ein solch wirkungsvoller Ansatz für Baden-Württemberg erarbeitet und etabliert werden? Wie verbinden sich diese mit dem Vorhaben im Koalitionsvertrag? Welche unverzichtbaren Elemente gehören dazu?

Referentinnen: Sonja Schmid, Sprecherin Netzwerk Familienbildung und Referentin im Diakonischen Werk Württemberg und Rosemarie Daumüller, Gesch.ftsführerin Landesfamilienrat BW

Diskussion und Dialog mit den Vertretungen der Landespolitik

Am Abend sind wir mit den Teilnehmenden der Landespolitik ins Gespräch gekommen. Folgende Vertreter*innen waren mit dabei:

Ansprechperson

Kim Hartmann

Koordinatorin

+49 711 2633 1141

info@mach-dich-stark.net